Prozessautomation

Mit den Möglichkeiten der digitalen Produktion verändern sich auch die Bestell- und Lieferwege. Aufträge werden automatisiert über das Netz erteilt, Druckdaten vom Kunden auf der Plattform des Lieferanten gepflegt und Lieferungen im Takt der Fertigung des Kunden gefordert. Eine Lagerhaltung ist nicht mehr vorgesehen. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern schon erprobte Praxis in erfolgreichen und innovativen Unternehmen.

Ein Beispiel

Der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln vertreibt ein breites Sortiment anPillen, Pulvern und Kräutern direkt an den Endverbraucher mittels Katalog und Internet. Die Produkte sind in Dosen, Schachtel, Tuben und Beuteln unterschiedlicher Größen verpackt.digi-etiketten-9

Eingesetzt werden neutrale Packungen, die mit farbigen Etiketten versehen werden. Im Jahr werden 28 Mill. Etiketten benötigt. Der Druck erfolgt vierfabig Skala in hoher Qualität auf Selbstklebepapier. Die Etiketten werden komplett mit MHD und sonstigen Angaben in der jeweiligen Landessprache gefertigt. Losgrößen von 50 bis 3.000 je Fertigungseinheit, wobei die kleineren Auflagen überwiegen. Der tägliche Bedarf liegt bei 100.000 Etiketten in bis zu 280 Sorten.
In der Vergangenheit wurden bei verschiedenen Etikettendruckereien je Packungsgröße Rollenhaftetiketten bestellt, die zur Etikettierung mit der Landessprache und den Inhaltsangaben mittels Thermotransfer-Druck aufbereitet wurden. Zur umfangreichen und teuren Lagerhaltung kam noch die Vernichtung veralteter Vordrucke von über 30 % der Bestellmenge. Bedingt durch Lieferzeiten der Vorprodukte und Engpässe beim Eindrucken konnte auf überraschende Nachfrage bei einzelnen Produkten des Sortimentes nur schwer reagiert werden.
Die Herstellung der Etiketten folgt heute im Takt der Produktfertigung und hat einen Vorlauf von 24 Stunden. Die Bestellung und Terminierung wird direkt aus dem Produktionsplan des Kunden generiert. Die Verwaltung und Änderung der Datensätze erfolgt durch den Kunden auf der Datenbank des Lieferanten, unabhängig von der Bestellung. Durch die eindeutige Produktnummer wird automatisch das richtige Etikett geladen und nach den Kriterien Größe und Auflage auf der zu bedruckenden Haftpapierbahn verteilt. Am Anfang und am Ende einer jeden Sorte wird ein Borcode mitgedruckt.

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Der Druck erfolgt auf zwei schmalbahnigen Digitaldruckanlagen mit integrierter Laserschneidanlage. Die Trennung der bedruckten und entgitterten Bahn erfolgt ebenfalls mittels Laserschnitt. Die Fertigung der Etiketten läuft vollautomatisch, ohne Unterbrechung bei Sorten- und Formatwechsel. Die Schmalrollen werden bei der Umrollung einer programmgesteuerten Inspektion unterzogen und gleichzeitig sortenweise, an der vom Laser perforierten Stelle, getrennt. Die Ablieferung der fertigen Etikettenrollen erfolgt täglich zu festen Zeiten. Die Einsparungen auf Kundenseite sind enorm, obwohl das einzelne Etikett teurer ist, als bei der Herstellung in großen Mengen.