Plakate

Seinem Wesen nach ist das Plakat eine Mitteilung an eine anonyme Gruppe von Empfängern. Der Absender kann nicht unmittelbar kontrollieren, ob seine Botschaft den einzelnen Empfänger erreicht und wie dieser darauf reagiert.

Vorläufer des Plakats kann man schon in vorchristlicher Zeit finden. Im antiken Rom wurden Gesetzestexte oder behördliche Bekanntmachungen auf weißen Holztafeln an öffentlichen Plätzen angebracht. Als Plakat könnte man auch das Thesenpapier zum Ablasshandel betrachten, das Martin Luther 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg anbrachte, ein Aufruf zur öffentlichen Auseinandersetzung. Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten sich Frühformen des Bildplakats – für vereinzelte Warenangebote oder die Auftritte von Gauklertruppen wurden mit Anschlägen geworben, bei denen Texte mit Bildern kombiniert waren. Im 18. Jahrhundert setzte man illustrierte Plakate ein, um Soldaten anzuwerben, seit etwa 1830 gestalteten Buchillustratoren in Frankreich zugleich auch Plakate für den Buchhandel.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts schließlich, unter dem Druck des zunehmend harten ökonomischen Wettbewerbs, erwies sich intensive Werbung als unverzichtbar. Zum bedeutendsten Werbemittel der Zeit wurde das Plakat. Seither hat es sich scheinbar kaum verändert. Damals wie heute wurde es in hoher Auflage auf Papier gedruckt, war groß, farbig, auffällig, enthielt Bild und Schrift in möglichst sinnvoller Anordnung und wollte etwas mitteilen. Tatsächlich hat sich aber – neben dem Stil der Darstellungen – in der Zwischenzeit vieles geändert, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist.