Digital in die Zukunft

Digital-in-die-Zukunft_mediumBünde (ds). Als Joseph Mail im Jahr 1934 eine Druckerei in der Bünder Innenstadt gründete, hätte er sich sicher nicht träumen lassen, welch rasante Entwicklung dieses Handwerk und die Firma einmal nehmen würde. Das damals gebräuchliche Buchdruckverfahren bot aus heutiger Sicht nur sehr begrenzte Möglichkeiten.

Beim Digitaldruck, dem neuesten „Kind“ des traditionellen Bünder Unternehmens, ist (fast) nichts mehr unmöglich. Hochglanz-Farbprospekte in geringer Auflage lassen sich hier kostengünstig, schnell und individuell herstellen. Beim Offsetdruck, der immer noch den größten Bereich bei Mail darstellt, sind erst Auflagen ab etwa 1000 Exemplaren wirtschaftlich. „Wir sind in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen“, sagt Prokurist Stefan Mail, der Urenkel des Firmengründers. Ein Neubau im Gewerbegebiet soll die Platzprobleme noch in diesem Jahr lösen.

Die Druckerei Mail hatte schon einmal Raumnot. Im Jahre 1951 entstand der Neubau an der Bismarckstraße in Bünde. Der zunächst von Joseph Mail und seinem Sohn Albert

geführte Betrieb wurde 1979 von Joachim Mail, dessen Sohn übernommen. Vielleicht liegt in der Familientradition das Geheimnis des Erfolges. Die Bünder haben die Zeichen der Zeit jedenfalls frühzeitig erkannt. Der Digitaldruck ergänzte den Offsetdruck schon vor vier Jahren, als er noch kaum bekannt war. Vor rund zwei Jahren wurde die digitale Druckmaschine des belgischen Herstellers Xeikon für rund eine Dreiviertelmillion Mark angeschafft. Sie ist in eine Produktionshalle an anderer Stelle in der Stadt ausgelagert.

Auf diese Technik sind Senior wie Junior gleichermaßen stolz. „Printing on demand“ – Drucken nach Bedarf – heißt das Schlagwort. Anders als beim herkömmlichen Druckverfahren werden die Daten beim digitalen Druck direkt aus dem Rechner auf Papier übertragen, wodurch die kosten- und zeitaufwendige Herstellung von Filmen, Korrekturfahnen oder Druckplatten entfällt. Der wichtigste Aspekt des echten digitalen Drucks besteht darin, dass der Inhalt eines jeden Bogens während des Druckvorgangs verändert werden kann. Stefan Mail nennt ein ganz aktuelles Beispiel: Autohäuser können für ihre Gebrauchtwagen Prospekte in kleinster Stückzahl herstellen, die denen für Neuwagen in nichts nachstehen.

Die Druckerei arbeitet für viele Firmen im Land, darunter Hettich, Dannemann, Autohäuser, zahlreiche Möbelhersteller und Werbeagenturen. Die Mitarbeiter für die digitale Drucktechnik musste das Unternehmen selbst umschulen; es gibt noch keine auf dem Arbeitsmarkt, nicht einmal eine genaue Berufsbezeichnung. Im Bünder Unternehmen heißen Sie Mediengestalter.